"Pigmentflecken im Gesicht - warum entstehen Pigmentstörungen & warum sie meist immer mehr werden"
Ein paar schöne Tage in der Sonne – und plötzlich fallen sie einem wieder viel mehr auf als zuvor.
Braune Flecken auf Stirn, Wangen oder über der Oberlippe.
Oder ein ehemaliger Pickel hinterlässt monatelang einen dunklen Schatten.
Oder eine Pigmentierung, die im Winter fast verschwunden war, wird mit den ersten intensiven Sonnenstrahlen wieder deutlich sichtbar.
Pigmentflecken gehören zu den Hautveränderungen, die ich in meiner täglichen Arbeit sehr häufig sehe.
Und dabei ist eines besonders wichtig: Pigmentfleck ist nicht gleich Pigmentfleck
Denn hinter einer sichtbaren Farbveränderung der Haut können ganz unterschiedliche Prozesse stecken. Und genau deshalb lässt sich auch nicht jede auf dieselbe Weise behandeln.
Sonnenflecken und Altersflecken
Unsere Haut produziert den Farbstoff Melanin. Er wird von spezialisierten Zellen, den Melanozyten, gebildet und ist unter anderem für unsere individuelle Haut-, Haar- und Augenfarbe verantwortlich.
Melanin erfüllt aber noch eine andere wichtige Aufgabe: Es ist Teil des natürlichen Schutzsystems unserer Haut gegenüber UV-Strahlung.
Trifft UV-Strahlung auf die Haut, wird die Melaninproduktion angeregt. Deshalb werden wir in der Sonne braun.
Problematisch wird es, wenn Melanin nicht mehr gleichmäßig verteilt beziehungsweise lokal übermäßig gebildet wird. Dann können einzelne Hautbereiche dunkler erscheinen als ihre Umgebung.
Und genau dann sehen wir einen Pigmentfleck.
Sonne ist einer der Hauptauslöser für Pigmentflecke - aber nicht der Einzige
Bei Pigmentflecken denken die meisten zuerst an Sonne. Und das völlig zu Recht.
UV-Strahlung gehört zu den wichtigsten Faktoren für die Entstehung von Hyperpigmentierungen und lichtbedingten Hautveränderungen. Dabei ist wichtig zu verstehen:
Der Pigmentfleck, den du heute siehst, muss nicht durch den letzten Sommer entstanden sein.
Unsere Haut vergisst UV-Belastung nicht einfach. Jahrelange Sonnenexposition kann sich im Laufe der Zeit in Form von ungleichmäßiger Pigmentierung, sogenannten Sonnen- oder Altersflecken und weiteren Zeichen der lichtbedingten Hautalterung bemerkbar machen.
Genau deshalb spreche ich so häufig über die Wichtigkeit von täglichen UV-Schutz – und zwar nicht erst im Sommer oder Urlaub.
"Nicht jeder Pigmentfleck ist dunkel - Hypopigmentierung und weiße Flecken"
Nicht jede braune Verfärbung ist ein Sonnenfleck.
Nach Pickeln oder anderen Entzündungen kann eine sogenannte postinflammatorische Hyperpigmentierung (PIH) entstehen. Die Entzündung kann die Pigmentbildung stimulieren. Der Pickel selbst ist längst verschwunden – zurück bleibt jedoch ein brauner oder dunkler Fleck.
Genau deshalb rate ich immer wieder davon ab, Pickel selbst auszudrücken oder aufzukratzen!
Je stärker die Entzündung und je mehr die Haut zusätzlich manipuliert wird, desto größer kann das Risiko für länger sichtbare Pickelmale sein.
UV-Strahlung kann diese Verfärbungen zusätzlich verstärken und dafür sorgen, dass sie wesentlich länger sichtbar bleiben.
Aus einem Pickel, der vielleicht einige Tage da gewesen wäre, wird dann unter Umständen ein Andenken für mehrere Monate. Nicht unbedingt das Souvenir, das wir haben wollten.
Warum entstehen Pigmentflecke überhaupt?
Die klassischen braunen Flecken, die mit zunehmendem Alter besonders häufig im Gesicht, auf dem Dekolleté oder den Händen auftreten, werden oft als Altersflecken bezeichnet.
Ich finde diesen Begriff eigentlich ein wenig unfair gegenüber dem Alter.
Denn entscheidend ist vor allem die kumulative UV-Belastung, die unsere Haut über Jahre hinweg erfahren hat und nicht erst im aktuellen Alter.
Deshalb findet man diese Flecken bevorzugt dort, wo die Haut besonders häufig Licht ausgesetzt war, auf den sogenannten "Sonnenterassen".
Und genau hier zeigt sich, warum Prävention so wichtig ist: Einen bereits entstandenen Pigmentfleck wieder aufzuhellen, ist deutlich aufwendiger, als seine Entstehung möglichst zu verhindern.
Pickelmale - der Pickel geht, aber der Fleck bleibt
Wenn wir von Pigmentflecken sprechen, denken wir meistens an braune oder dunkle Verfärbungen.
Es gibt aber auch das Gegenteil: Hypopigmentierungen.
Dabei enthalten bestimmte Hautbereiche weniger Melanin als die umliegende Haut und erscheinen dadurch heller oder sogar weiß.
Solche hellen Flecken können unterschiedliche Ursachen haben. Sie können beispielsweise nach Entzündungen oder Verletzungen der Haut entstehen. Auch bestimmte Hauterkrankungen können mit einem Pigmentverlust einhergehen und gehören entsprechend in dermatologische Hände.
Ein Thema, das mir in diesem Zusammenhang besonders wichtig ist, ist Skin Picking.
Wird immer wieder an Pickeln gedrückt, gekratzt oder eine Entzündung tief verletzt, kann die Haut nicht nur mit dunklen Pickelmalen oder Narben reagieren. Bei stärkeren Schädigungen können auch die pigmentbildenden Zellen beeinträchtigt werden – zurück bleibt unter Umständen ein dauerhaft heller Bereich.
Deshalb gilt auch hier: Nicht jeder Fleck lässt sich einfach „wegbehandeln“.
Während wir bei einer Hyperpigmentierung mit einer vermehrten beziehungsweise ungleichmäßigen Pigmentierung zu tun haben, liegt bei einer Hypopigmentierung zu wenig Pigment im betroffenen Hautbereich vor. Das sind zwei völlig unterschiedliche Ausgangssituationen – und sie müssen auch entsprechend unterschiedlich beurteilt werden.
Und dann gibt es noch Melasma
Melasma unterscheidet sich von klassischen Sonnenflecken.
Typisch sind eher großflächige, unregelmäßige bräunliche Pigmentierungen – häufig auf Stirn, Wangen, Schläfen oder über der Oberlippe.
Bei der Entstehung spielen mehrere Faktoren zusammen. Besonders relevant sind UV-Strahlung und hormonelle Einflüsse.
Deshalb kann Melasma beispielsweise im Zusammenhang mit Schwangerschaft oder hormonellen Veränderungen auftreten. Auch eine entsprechende genetische Veranlagung spielt eine Rolle.
Und genau das macht Melasma so anspruchsvoll:
Es reicht häufig nicht, einfach nur den sichtbaren Fleck „wegzubehandeln“.
Erfahre hier mehr zu Hormonbedingte Hautprobleme und zum Thema Perimenopause & Haut.
Warum Melasma immer wiederkommen kann
Wer Melasma hat, kennt häufig dieses Phänomen: Im Winter wird die Pigmentierung heller und sie stört nicht so sehr.
Dann kommt der Sommer – und plötzlich ist sie wieder deutlich dunkler und sichtbar. UV-Strahlung stimuliert die Pigmentbildung erneut. Bei Melasma kann darüber hinaus auch sichtbares Licht eine Rolle spielen.
Deshalb gehört konsequenter Lichtschutz zu den wichtigsten Maßnahmen überhaupt.
Und konsequent bedeutet tatsächlich konsequent. Nicht nur am Strand, nicht nur im Sommer oder im Urlaub. Und auch nicht erst dann, wenn die Flecken schon wieder dunkel geworden sind.
Was kann man gegen Pigmentflecken tun?
Es gibt nicht die eine Behandlung oder den einen Wirkstoff, der für jede Pigmentierung gleichermaßen geeignet ist.
Je nach Ursache können unterschiedliche Ansätze sinnvoll sein.
Dazu gehören unter anderem:
- konsequenter UV- und Lichtschutz
- Wirkstoffe, die regulierend auf die Pigmentbildung wirken
- Antioxidantien
- ausgewählte Säuren und Peelings
- professionelle kosmetische Behandlungen
- die Reduktion von Entzündungsprozessen
- eine stabile Hautbarriere
Bei Pickelmalen muss außerdem die zugrunde liegende Akne beziehungsweise Entzündungsneigung berücksichtigt werden.
Bei Melasma wiederum spielen Prävention und langfristiges Management eine besonders große Rolle.
Und bei einer Hypopigmentierung gelten wiederum völlig andere Voraussetzungen als bei einem Überschuss an Pigment.
Ein Pigmentkonzept sollte deshalb immer zur Ursache und auch zu dem aktuellen Hautzustand passen – nicht nur zur Farbe des Flecks.
Kann man Pigmentflecke vollständig entfernen?
Das ist eine Frage, die mir häufig gestellt wird.
Meine Antwort lautet: Es kommt darauf an.
Manche Hyperpigmentierungen lassen sich sehr deutlich aufhellen. Andere können hartnäckiger sein oder bei erneuter UV-Exposition wieder sichtbar werden.
Besonders bei Melasma halte ich Versprechen wie „dauerhaft entfernt“ für problematisch.
Hier geht es häufig vielmehr darum, die Pigmentierung möglichst gut zu kontrollieren, aufzuhellen und neue beziehungsweise erneute Pigmentbildung zu reduzieren.
Auch bei hellen Pigmentstörungen muss differenziert werden: Ist die Pigmentbildung in einem Bereich tatsächlich beeinträchtigt, lässt sich fehlendes Pigment nicht kosmetisch „zurückpflegen“.
Realistische Erwartungen gehören für mich deshalb genauso zu einer guten Hautberatung wie die Behandlung selbst.
UV-Schutz ist keine Sommerpflege
Wenn du zu Pigmentflecken neigst, gehört UV-Schutz zu den wichtigsten Dingen, die du für deine Haut tun kannst. Und zwar 365 Tage im Jahr, denn UV-Strahlung erreicht unsere Haut nicht ausschließlich bei 30 Grad und Sonnenschein.
Gerade wenn wir Pigmentierungen behandeln und gleichzeitig jeden Tag neue UV-Reize zulassen, arbeiten wir ansonsten gegen unsere eigenen Ziele. Das ist ein bisschen wie im Auto gleichzeitig Gas geben und bremsen.
Nicht jeder braune oder weiße Fleck gehört in kosmetische Hände
Nicht jede pigmentierte oder depigmentierte Hautveränderung ist nur ein kosmetisches Problem.
Neue, ungewöhnliche oder sich verändernde Pigmentmale sollten ärztlich beziehungsweise dermatologisch abgeklärt werden – insbesondere wenn sich Form, Farbe oder Größe verändern oder eine Hautveränderung anderweitig auffällig erscheint.
Auch neu auftretende weiße Flecken können unterschiedliche Ursachen haben und sollten bei unklarer Ursache nicht einfach kosmetisch behandelt werden.
Kosmetik hat hier klare Grenzen.
Erst wenn feststeht, dass es sich um eine kosmetisch behandelbare Pigmentveränderung handelt, stellt sich überhaupt die Frage nach der passenden Behandlung.
Wenn eine Kundin mit Pigmentflecken zu mir kommt, interessiert mich deshalb nicht nur: „Wie bekommen wir diesen Fleck weg?“ Sondern auch, wann und warum ist er überhaupt entstanden.
Ist es ein lichtbedingter Pigmentfleck?
Ein zurückgebliebenes Pickelmal?
Melasma?
Eine Hypopigmentierung?
Spielt eine Entzündung eine Rolle?
Oder sehen wir etwas, das zunächst dermatologisch abgeklärt werden sollte?
Denn Pigmentierung ist ein sehr gutes Beispiel dafür, warum Hautbehandlung nicht nach Schema F funktionieren kann.
Was äußerlich ähnlich aussieht, kann völlig unterschiedliche Ursachen haben. Dieses Verständnis ist die Grundlage und der erste Schritt um unliebsame Flecken loszuwerden. Die schrittweise Aufhellung der Haut gehört zur Königsdisziplin in der Kosmetik und gehört in erfahrene Hände, damit gute Ergebnisse erzielt werden können.
